Kleine Lagune Dossenheim

Vielleicht ist Ihnen die „Kleine Lagune“ in Dossenheim, etwa auf Höhe des Julius-Kühn-Instituts am Autobahnzubringer, bereits aufgefallen? Sie zeigt uns, "was möglich ist, wenn Tier und Mensch miteinander wirken" (RNZ, 09.08.2025).

"Kleine Lagune" in Dossenheim - Biberbiotop am Rombach

Vielleicht ist Ihnen die „Kleine Lagune“ in Dossenheim, etwa auf Höhe des Julius-Kühn-Instituts am Autobahnzubringer, bereits aufgefallen?

Die „Kleine Lagune“ entstand im Herbst 2019 durch das Eingreifen eines Bibers im Rombachgebiet. Der Biber staut dort einen Gewässerlauf, wodurch eine alte Neckarschleife überflutet wird. Das Wasser kann nicht sofort abfließen, wodurch sich ein temporäres Gewässer bildet. Diese natürliche Dynamik hat zur Entstehung eines sich ständig verändernden Biotops geführt, das sowohl für Pflanzen als auch für Tiere von großer Bedeutung ist.

Die Bezeichnung „Kleine Lagune“ spiegelt seit 2022 auf ornitho.de die Eigenheit des Gebiets wider: ein relativ flaches, dynamisches Gewässer. Gerade in dieser Dynamik liegt die ökologische Bedeutung des Gebiets, was sich in der Vielzahl an Arten zeigt, die es als Rast- und Nahrungshabitat nutzen. Als BUND Dossenheim dokumentieren wir seit 2022 die dort vorkommenden Arten und haben die Daten an die Untere und Obere Naturschutzbehörde weitergegeben. Dies dient als Grundlage, um die Entwicklung von Schutzmaßnahmen voranzutreiben.

Kleine Lagune in Dossenheim  (Patricia Reister)

Bedeutendes Rast- und Durchzugsgebiet in der Region

Insbesondere während der Vogelzugzeiten im Frühjahr und Herbst hat sich die „Kleine Lagune“ als bedeutendes Rast- und Durchzugsgebiet für zahlreiche Vogelarten etabliert. Besonders Watvögel, auch Limikolen genannt, die in diesem Gebiet rasten, profitieren von den temporären Gewässern. Unter den dokumentierten Vogelarten befinden sich unter anderem:

Flussregenpfeifer (mit Brutversuchen!) Krickente Schwarzstorch (immatur)
Sandregenpfeifer Schnatterente Braunkehlchen
Kiebitz Knäkente Schwarzkehlchen
Bruchwasserläufer Löffelente Bergpieper
Waldwasserläufer Pfeifente Wiesenpieper
Flussuferläufer Gänsesäger Hohltaube
Rotschenkel Zwergtaucher Wiesenschafstelze
Grünschenkel Purpurreiher Eisvogel
Bekassine Seidenreiher Kornweihe
Kampfläufer Tüpfelsumpfhuhn Rohrweihe

Diese Diversität macht das Gebiet zu einem bedeutenden Hotspot für die Vogelwelt der Region. Viele dieser Arten, wie der Flussregenpfeifer und der Kiebitz, sind andernorts selten und finden hier ideale Bedingungen für die Rast, erstere sogar für die Brut. Die „Kleine Lagune“ ist somit ein unverzichtbarer Baustein im Biotopverbund, insbesondere für die Erhaltung von Arten, die auf Feuchtgebiete angewiesen sind.

 

Förderkulisse des Landes Baden-Württemberg

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)  (Wolfgang Fischer)

Am 5. September 2022 fand auf Initiative unseres Ortsverbands ein Treffen mit Vertretern des Regierungspräsidiums, der Unteren Naturschutzbehörde, des BUND Regionalverbands Rhein-Neckar-Odenwald sowie der BUND-Ortsverbände Ladenburg und Dossenheim statt, um Entwicklungsmöglichkeiten zu besprechen. Seitdem ist die „Kleine Lagune“ Teil der Förderkulisse des Landes Baden-Württemberg, da sie insbesondere für Kiebitz und Flussregenpfeifer als potenzielles Bruthabitat betrachtet wird. Die Fläche erstreckt sich über Dossenheimer und Ladenburger Gemarkung, weshalb die „Kleine Lagune“ bei der interkommunalen Biotopverbundplanung eine zentrale Rolle spielt – zumal die überwiegende Zahl der betroffenen Grundstücke in öffentlicher Hand liegt.

Besuch des Staatssekretärs im Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg Dr. André Baumann MdL

Besuch des Staatssekretärs im Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg Dr. André Baumann MdL  (Michael Ziara)

or diesem Hintergrund erachten wir den Besuch von Dr. André Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, Anfang August als wichtigen Meilenstein. Baumann zeigte sich beeindruckt von der Bedeutung dieses besonderen Biotops für die Region und den Naturschutz in Baden-Württemberg. Er betonte, dass der Biber Biotope schafft, die ansonsten erhebliche Planungs- und Durchführungskosten verursachen würden. Begleitet wurde er von Tobias Lepp vom Regierungspräsidium Karlsruhe sowie Nicole Gross, der Leiterin des Amtes für Landwirtschaft und Naturschutz des Landkreises. Gemeinsam hoben sie hervor, dass die „Kleine Lagune“ ein Beispiel dafür sei, „was möglich ist, wenn Tier und Mensch miteinander wirken“, wie es treffend im RNZ-Bericht heißt.

Bibermanagement

Das beinhaltet auch das Bibermanagement, denn wo er sich frei entfaltet, entstehen auch Konflikte. In  diesen Fällen haben überflutete Felder und Veränderung der Wasserverhältnisse Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Hier setzt das moderne Bibermanagement ein, das in Baden-Württemberg ein Netzwerk aus Regierungspräsidien, Unteren Naturschutzbehörden und ehrenamtlichen Biberberater*innen umfasst, die gemeinsam etwa durch Grabschutzmatten, Dammdrainagen oder Drahthosen zum Schutz von Bäumen effiziente und praxisnahe Lösungen organisieren, um Konflikte zu verhindern bzw. langfristig entschärfen. Zusätzlich wurde 2025 speziell für besonders festgefahrenenFällen eine „Clearingstelle Biber“ eingerichtet.

Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft

Als BUND Dossenheim setzen wir uns weiterhin für den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung der „Kleinen Lagune“ ein. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn Naturschutz und Landwirtschaft zusammenarbeiten. Ein respektvoller, ehrlicher und konstruktiver Dialog sowie gegenseitiges Verständnis für die Belange des jeweils Anderen sind unerlässlich – ebenso wie die Möglichkeit finanzieller Kompensationen für auf diesen Flächen entstandene Ernteausfälle.

Bitte helfen Sie mit, die "Kleine Lagune" als Rast- und Durchzugsgebiet zu schützen!

Bitte beobachten Sie das Geschehen vom Wegesrand aus und leihnen Sie Ihre Hunde an, um den rastenden Tieren die nötige Ruhe zu lassen. 

Bericht des RNF