BUND Ortsverband Dossenheim

Steinkauz - Ansiedlungsprojekt in Kooperation

17. September 2020 | Lebensräume, Naturschutz

Um die Ansiedlung des Steinkauzes in der Region zu unterstützen, haben wir von Seiten des BUND Dossenheim in Kooperation mit dem Arbeitskreis Greifvogelschutz des NABU Heidelberg nun weitere geeignete Gebiete auf Dossenheimer Gemarkung erschlossen und die Zahl der Nisthilfen auf 15 erhöht.

Dr. Astrid Eben vom Julius-Kühn-Institut freut sich über die Anbringung von zwei Steinkauznistkästen auf dem Institutsgelände durch BUND Dossenheim und AK Greifvogelschutz des NABU Heidelberg. Personen von links nach rechts: Dermot O’Connor (BUND Dossenheim), Dr. Karl-Friedrich Raqué (AK Greifvogelschutz, NABU Heidelberg), Michael Ziara (BUND Dossenheim und AK Greifvogelschutz, NABU Heidelberg), Dr. Astrid Eben (Julius-Kühn-Institut) und Ulf Petersen (AK Greifvogelschutz, NABU Heidelberg)  (Patricia Reister)

Kaum eine Eule ist so ein Sympathieträger wie der kleine koboldhafte Steinkauz. Doch so faszinierend er ist, so schwer gestaltet sich manchmal sein Schutz. Abhängig von offenen, grünlandreichen Landschaften mit ganzjährig kurzer Vegetation, einem großen Höhlenangebot, Sitzwarten und beweideten Grundstücken hat er es zunehmend schwerer. Denn die Landschaft, die er benötigt, wird immer seltener. Flächenfraß und Rodungen alter Streuobstbäume der letzten Jahrzehnte blieben nicht ohne Folgen. In Deutschland steht er mit einem Bestand von etwa 6.000 Paaren auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. Auch im Rhein-Neckar-Kreis – früher einst ein Hotspot – ist der Bestand mittlerweile rapide gesunken. Lediglich zwei Paare sind noch bekannt, von denen nur eines in diesem Jahr erfolgreich gebrütet hat. Es ist also höchste Zeit für eine Trendwende. Denn ist die Eule erst einmal aus einer Region verschwunden, ist eine Wiederansiedlung um ein Vielfaches schwerer.

Um die Bestandsentwicklung dieser Eulenart umzukehren, braucht es neben dem Einsatz für den Erhalt einer strukturreichen Landschaft eine enge Zusammenarbeit möglichst vieler Naturschutzverbände in möglichst vielen Gemeinden, die gemeinsam ausgehend von den beiden noch bekannten Standorten geeignete Lebensräume mit Niströhren ausstatten. Von Seiten des BUND Dossenheim haben wir in Kooperation mit dem Arbeitskreis Greifvogelschutz des NABU Heidelberg geeignete Habitate auf Dossenheimer Gemarkung gefunden und die Zahl der angebotenen Nisthilfen auf 15 erhöht.

Dazu suchte Michael Ziara, 2. Vorsitzender vom BUND Dossenheim und Mitglied im Arbeitskreis Greifvogelschutz, den Kontakt zu mehreren Reiterhöfen im Schwabenheimer Hof. In der Vergangenheit hat sich bei Wiederansiedlungsprojekten in anderen Regionen gezeigt, dass die Beweidung durch Pferde geradezu ideal ist: Denn die kurzgehaltene Vegetation, auf der Großinsekten und Mäuse bequem zu erreichen sind, erleichtert dem Steinkauz die Jagd und erhöht den Bruterfolg. Auch das Julius-Kühn-Institut, in dem zu Pflanzenschutz in Obst und Weinbau geforscht wird, eignet sich als Lebensraum und wurde mit Nistkästen ausgestattet.

Die angebrachten Nisthilfen stehen nun den jungen Steinkäuzen zur Verfügung, die im September von den Alttieren vertrieben werden und sich dann ein eigenes Revier meist im Umkreis von wenigen Kilometern zum Brutstandort suchen. Die Hoffnung ist groß, dass sie aufgrund des nun verbesserten Höhlenangebots in der Region bleiben und sich hier ausbreiten. Wir bedanken uns bei allen Eigentümern, die uns ihr Gelände zur Verfügung gestellt und das Ansiedlungsprojekt so unterstützt haben.

In geeigneten Gebieten werden oft gleich mehrere Nistkästen aufgehängt. So wird gewährleistet, dass der Steinkauz neben einer Höhle zum Brüten, weitere für den Tageseinstand und das Futterdepot findet. Dafür braucht es folglich eine Vielzahl an Röhren. Entlastet wurden wir bei ihrer Herstellung von der Dachdeckerei Schneider & Reister GmbH, die uns acht selbstgebaute Nistkästen spendete. Neun weitere Kästen werden derzeit von der Werksrealschule in Sinsheim gebaut und durch den Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V. (LEV) finanziert.

Positive Beispiele für erfolgreiche großräumige Wiederansiedlungsprojekte gibt es einige: So wuchs beispielsweise zuletzt im nördlichen Markgräflerland der Bestand von 0 Brutpaaren (2015) auf mittlerweile 12 Paare (2020). Wir hoffen nun, auf einen ähnlichen Erfolg im Gebiet zwischen Dossenheim, Schwabenheimer Hof, Ladenburg und Heidelberg.

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