Zum Jahresende möchten wir gemeinsam mit Ihnen auf das Jahr 2025 zurückblicken.
Das prägendste Thema der öffentlichen Diskussion im Bereich Natur- und Umweltschutz in Dossenheim war 2025 ohne Zweifel die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Nutzung der Windkraft am Weißen Stein zukünftig möglich werden könnte. Immer wieder haben wir mit Sorge die mangelnde Sachlichkeit und Differenziertheit bei diesem Thema beobachtet. Insbesondere beim Arten- und Naturschutz kursierten viele Falschinformationen und Simplifizierungen. Daher entschieden wir uns schon 2024 dazu, als Beitrag zur Versachlichung der Diskussion ein umfangreiches FAQ zu erarbeiten, das auf unserer Homepage zur Verfügung stand.
Wir haben als BUND Dossenheim bei diesem Thema den Ansatz verfolgt, dass in einem ersten Schritt über vertiefende Prüfungen nach den Methodenstandards der LUBW eine belastbare Datengrundlage zu schaffen sei, die dann in einem zweiten Schritt eine seriöse und differenzierte Bewertung des Konfliktpotenzials erst ermöglicht. Dies haben wir bereits 2024 mehrfach in die Diskussion eingebracht, weshalb es Konsens wurde, bei der Auswahl eines möglichen Projektierers eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) als verbindliches Kriterium festzulegen, wozu sich der favorisierte Bewerber „PIONEXT Service GmbH & Co. KG“ verpflichtete. Im Sommer wurde das laufende Verfahren durch einen Bürgerentscheid unterbrochen, bei dem am 9.11. über die pauschalisierende Frage entschieden wurde, ob Windkraft im Dossenheimer Wald abgelehnt werde. Wir haben uns als BUND Dossenheim sehr früh dafür ausgesprochen, dass wir die Abstimmung mit einem „Nein“ empfehlen, um vertiefende Prüfungen zu ermöglichen, Arten- und Klimaschutz als gleichrangige Ziele anzuerkennen und nicht vorschnell Potentiale per se auszuschließen. Wir haben daher die hohe Wahlbeteiligung von 58,62% und das deutliche Ergebnis mit 60,23% für ein „Nein“ sehr begrüßt, da dieser Zwischenschritt eine neue Grundlage für eine sachliche und differenzierte Weiterführung geschaffen hat.
Eingebracht haben wir uns 2025 auch bei der interkommunalenBiotopverbundplanung. Die bisher eher unter dem öffentlichen Radar laufende Planung des Biotopverbunds erfolgt bei uns durch den Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim. Gemeinsam mit den zuständigen Planungsbüros haben wir uns über die möglichen Maßnahmen und die zu fördernden Tierarten ausgetauscht. Gerade mit Blick auf den Biotopverbund hat 2025 die Kleine Lagune Dossenheim, die im Herbst 2019 durch das Eingreifen eines Bibers im Rombachgebiet entstanden ist, Aufmerksamkeit erlangt. Entwickelt hat sich die Lagune als ein relativ flaches, dynamisches Gewässer mit großer ökologischer Bedeutung, die sich u.a. in der Vielzahl an Arten zeigt, die es als Rast- und Nahrungshabitat nutzen. Seit 2022 dokumentieren wir die dort vorkommenden Arten und haben die Daten an die Untere und Obere Naturschutzbehörde weitergegeben. Dies diente als Grundlage, um die Entwicklung von Schutzmaßnahmen voranzutreiben. Im August besuchte Staatssekretär Dr. André Baumann die Lagune und zeigte sich beeindruckt von der Bedeutung dieses besonderen Biotops für die Region, wobei er betonte, dass der Biber Biotope schafft, die ansonsten erhebliche Planungs- und Durchführungskosten verursachen würden. Dies erachten wir als wichtige Grundlage für zukünftige Entwicklungen im Dialog mit der Landwirtschaft auch im Rahmen der Biotopverbundplanung.
Unter diesem Aspekt stand 2025 die Arbeit beim Thema Augustenbühl, der zu einem großen Teil Kernflächen bzw. -raum der „mittleren Standorte“ enthält. Als solche werden spezielle Lebensräume bezeichnet, die nicht zu den Trocken- oder Feuchtgebieten gehören, sondern eine Zwischenstellung einnehmen. Besonders die den Augustenbühl charakterisierenden Streuobstwiesen, Hecken und Feldgehölze zählen hierzu. Diese Flächen liegen sowohl in den bereits aus dem Flächennutzungsplan (FNP) entnommenen Gebieten, in denen erste Aufwertungsmaßnahmen stattfinden und weitere im Rahmen der interkommunalen Biotopverbundplanung umgesetzt werden könnten, als auch in den noch im FNP verbliebenen Bereichen „Am Rebgarten“ und „Gassenweg“ für deren Erhalt wir uns im Flächenschutz weiterhin politisch einsetzen.
Neben diesen aktuellen Themen bildet die kontinuierliche Arbeit an unseren Artenschutzprojekten die zweite Säule des ehrenamtlichen Engagements.
Beim kooperativen Artenschutzprojekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ verzeichneten wir nach dem großen Reproduktionserfolg im Vorjahr 2025 trotz eines überwiegend schwachen Mäuse- und Maikäferjahres eine signifikante Zunahme bzw. Ausbreitung im Projektgebiet von Hemsbach-Laudenbach im Norden und Reilingen im Süden: Zwar wurden mit 40 Jungvögeln und 2 supplementierten Individuen weniger Jungkäuze großgezogen als im Vorjahr (2024: 47), dafür stieg die Zahl der Brutpaare von 11 auf 17 und die der Revierpaare von 14 auf 20 an. Das schlechte Mäusejahr wirkte sich sowohl auf die Zahl der erfolgreichen Bruten (13) als auch auf die Gelegegröße aus. Besonders erfreulich war hier, dass die 2024 erstmals erprobte Soft-Release-Methode einen ersten Erfolg zeigte. Wir konnten an einem zuvor besatzfreien Standort nach einem solchen Soft Release eine gescheiterte Brut und ein unberingtes Weibchen feststellen. Der ausgewilderte Vogel hatte offensichtlich als „Ankervogel“ fungiert und erfolgreich einen Partner angelockt.
Der Amphibienschutz im Steinbruch Leferenz profitierte in diesem Jahr erneut von dem verhältnismäßig feuchten Frühjahr. Gerade die streng geschützte und stark gefährdete Gelbbauchunke (FFH-Richtline-Anhang II, Rote Liste BW Kategorie 2) wurde durch die Niederschläge mehrfach zum Ablaichen angeregt. Die Gelbbauchunkenkaulquappen entwickelten sich in den sanierten Biotopen sowie in den Edelstahlwannen gut, sodass wir in diesem Jahr eine große Anzahl an „Hüpferlingen” dokumentieren konnten. Die vielen strukturellen Maßnahmen wie der Aufbau eines autarken Wasserbevorratungssystems mit 23.000 Liter Regenwasser, die Sanierung zentraler Amphibienbiotope und die Zurverfügungstellung von 12 Edelstahlwannen als Ablaichhilfen, die wir in den letzten Jahren initiiert und umgesetzt haben, zeigten erneut ihre Wirkung. Neben der klassischen Biotoppflege und dem Monitoring lag 2025 ein Schwerpunkt unserer Arbeit auch darin, interessierten Gruppen, darunter Vertretern des Landesverbands, anderen Ortsgruppen und unserem Projektpartner dem Heidelberger Zoo vor Ort die strukturellen Maßnahmen vorzustellen. Von der Treuhand-Stiftung Käthe Reinhart der Heidelberger Volksbank-Stiftung erhielten wir in diesem Jahr eine großzügige Spende für den Amphibienschutz und die Umweltbildung.
Im Rahmen unserer Natur- und Umweltbildung haben wir verschiedene Veranstaltungen und Exkursionen angeboten. So boten unsere Aktiven eine Eulen-, Schwalben-, Vogelstimmen-, Amphibien- und Fledermausexkursion an und hielten mehrere Vorträge zum Steinkauzschutzprojekt. Für mehrere Schulklassen boten wir Exkursionen im Steinbruch Leferenz an. Auch an dem Kinderferienprogramm der Gemeinde Dossenheim beteiligten wir uns. Mit „Konfis“ haben wir die Nistkästen in und um die ev. Kirche gereinigt, wo Alexander Fuhr eine vierte Kamera in den Nistkasten einbaute, um für den Livestream ein noch perspektivenreicheres Angebot zu schaffen. Ebenso haben sie und die Schülerfirma MIDENA gemeinsam mit unseren Aktiven als Beitrag zum Landschaftsschutz die BUND-Streuobstwiese gepflegt. Mit dem LEV organisierten wir im Februar den Landschaftspflegetag am Blütenweg, um zugewachsene Trockenmauerabschnitte freizustellen.
Unsere Projekte und Angebote führen wir auch 2026 fort. Den Start macht am 18. Januar 2026 um 16 Uhr die Exkursion „Faszination Eulen“, zu der Sie sich unter m.ziara@web.de gerne schon anmelden können. Einen Überblick über unsere Aktivitäten finden Sie auf unserer Homepage.
All diese Tätigkeiten erfolgen ehrenamtlich und wären ohne unsere Aktiven und unsere vielen privaten wie behördlichen Förderer*innen und Projektpartner*innen nicht möglich. Daher möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Unterstützung und die engagierte, freundschaftliche und couragierte Zusammenarbeit bedanken. Unser Dank gilt auch allen, die unsere Projekte mit kleinen und großen Spenden bedacht haben. Ehrenamtliches Engagement ist eine tragende Säule des Gemeinwesens. Ohne sie funktionierten viele Bereiche des täglichen Lebens nicht (mehr). Umso wichtiger erachten wir es, ehrenamtlich Aktive zu unterstützen.
Nun wünschen wir Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein frohes, friedliches und gesundes Jahr 2026!
Ihr BUND Dossenheim