2026 war für das Artenschutzprojekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ das bislang erfolgreichste Brutjahr. Im Projektgebiet zwischen Hemsbach-Laudenbach im Norden und Reilingen im Süden wurden 90 Jungvögel dokumentiert, davon 71 beringt. Auch die Zahl der Brutpaare stieg erneut: von 17 im Vorjahr auf nun 22 Brut- bzw. 23 Revierpaare. Damit setzt sich der seit Projektbeginn 2020 andauernde positive Bestandstrend fort. Damals war in der gesamten Großregion nur noch ein bekanntes Brutpaar dokumentiert.
Die 22 Brutpaare verteilen sich inzwischen auf zehn Gemarkungen:
- Dossenheim: 2
- Edingen-Neckarhausen: 1
- Eppelheim: 1
- Heddesheim: 2
- Heidelberg: 2
- Viernheim: 1
- Hemsbach-Laudenbach: 3
- Ladenburg: 5
- Weinheim: 4
- Schriesheim: 1
Ein weiteres Revierpaar befindet sich in Mannheim.
Besonders gute Nahrungsbedingungen bot das Jahr 2026 durch eine Massenvermehrung der Feldmaus. Das reichhaltige Nahrungsangebot wirkte sich sowohl auf die Zahl erfolgreicher Bruten als auch auf die Gelegegrößen aus. Insgesamt wurden 22 erfolgreiche Bruten dokumentiert. Darunter waren vier Bruten mit vier, fünf mit fünf, zwei mit sechs und zwei mit sieben Jungvögeln. Mit durchschnittlich 4,09 Jungvögeln pro Brutpaar lag der Wert deutlich über dem bundesweiten Langzeitvergleich.
Charakteristisch für das außergewöhnlich hohe Mäuseangebot waren die großen Nahrungsvorräte in den Nisthilfen. In zahlreichen Bruten wurden Mäusedepots angelegt, die teilweise bis zu 30 Beutetiere umfassten. Im Vorjahr waren solche Vorräte dagegen kaum zu beobachten.
Eine wichtige Grundlage des Projekts sind mittlerweile 164 Nisthilfen, die zweimal jährlich gemonitort werden. Ihre Montage ist nur möglich, wenn Eigentümerinnen und Eigentümer geeignete Flächen zur Verfügung stellen. Der Schutz und die Diskretion der Standorte haben deshalb höchste Priorität.
Die Nisthilfen werden von festen Betreuerinnen und Betreuern im Herbst gereinigt und im Frühjahr kontrolliert. Wird eine Brut festgestellt, werden die Jungvögel und – sofern sie während der Kontrolle in der Nisthilfe angetroffen werden – auch die Altvögel im Rahmen des Beringungsprojekts „Brutpopulationsuntersuchung am Steinkauz“ des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, Vogelwarte Radolfzell, beringt.
Die mit Genehmigung des Regierungspräsidiums angebrachten Metallringe tragen eine individuelle Nummer der Vogelwarte Radolfzell. Durch Wiederfunde lässt sich nachvollziehen, wo ein Vogel geschlüpft ist, wie alt er wird und ob er in der Region bleibt oder abwandert.
Ein besonders spannender Wiederfund gelang in diesem Jahr bei einem neuen Brutpaar in Dossenheim. Bei der Beringung der Jungvögel wurde auch das hudernde Weibchen in der Nisthilfe angetroffen. Es trug einen Ring der Vogelwarte Helgoland. Der Abgleich mit der Datenbank ergab: Das Weibchen war 2025 in Darmstadt beringt worden und hatte damit zwischen Schlupfort und neuem Brutplatz eine Strecke von 47 Kilometern zurückgelegt. Solche Zuwanderer aus anderen Beständen sind für das Projekt von besonderer Bedeutung. Sie tragen dazu bei, den genetischen Austausch innerhalb der regionalen Population zu stärken. Denn nach der jahrelangen Verinselung des Steinkauzbestands im Rhein-Neckar-Gebiet ist die Gefahr einer Inzuchtdepression trotz der positiven Bestandsentwicklung noch nicht gebannt.
Deshalb setzt das Projekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ gemeinsam mit dem Zoo Heidelberg, dem Tierpark Walldorf und dem Alpenzoo Innsbruck neben der klassischen Bestandssicherung auf zwei Auswilderungsmethoden: der Supplementierung und dem Soft-Release.
Zwei Methoden für mehr genetische Vielfalt
Bei der Supplementierung werden im Zoo oder Tierpark geschlüpfte Jungvögel in wilde Bruten mit passender Altersstruktur gesetzt. Die Methode nutzt eine Besonderheit der Eulen: Die Altvögel unterscheiden ihre Jungtiere nicht anhand individueller Merkmale. Werden Jungkäuze im passenden Alter zu einem bestehenden Gelege gesetzt, werden sie von den Altvögeln angenommen und mit aufgezogen.
2026 wurden drei Steinkäuze aus dem Tierpark Walldorf in drei wilde Bruten in Dossenheim und Ladenburg supplementiert. Dass die Methode funktioniert, zeigt ein bereits 2023 supplementiertes Weibchen: Der im Zoo geschlüpfte Vogel wurde als Nestling in eine wilde Brut supplementiert und besetzt seit 2024 ein eigenes Brutrevier. Seither brütet das Weibchen regelmäßig und hat seine Gene bereits an sieben Jungvögel weitergegeben.
Eine andere Situation liegt vor, wenn die Jungkäuze aus den Zoos bereits flügge sind und deshalb nicht mehr supplementiert werden können. Hier kommt das Soft-Release zum Einsatz. Die Methode wurde im Projekt erstmals 2024 erprobt. Die Jungvögel werden für drei Tage in kleine Volieren gesetzt, die unmittelbar an geeigneten Nisthilfen angebracht sind. Dort werden sie mit Futter versorgt. Anschließend werden die Volieren geöffnet und die Jungkäuze freigelassen. Der Vorteil: Die Tiere kennen die Nisthilfe bereits als sicheren Tageseinstand und nutzen sie häufig auch nach der Freilassung weiter. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass die Vögel in dem vorgesehenen Gebiet bleiben und dort ein neues Revier besetzen.
2026 wurden auf diese Weise sechs flügge Steinkäuze ausgewildert: zwei Tiere aus dem Alpenzoo Innsbruck sowie vier Weibchen aus dem Zoo Heidelberg. Die Auswilderungen erfolgten an fünf Standorten in Leimen, Reilingen und Heidelberg.
An einem Standort wurden probeweise zwei Tiere – ein Männchen aus Innsbruck und ein Weibchen aus Heidelberg – in zwei wenige Meter voneinander entfernten Minivolieren ausgewildert. Ob sich dort im kommenden Jahr ein neues Revierpaar etabliert, wird mit großer Spannung beobachtet.
Wir betrachten es als besondere Würdigung des Projekts „Gemeinsam für den Steinkauz“, dass die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch an der Auswilderung teilnahm, und freuen uns ebenfalls über die Berichterstattung von SWR und Radio Regenbogen hierüber.
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Wie erfolgreich auch diese Auswilderungsmethode sein kann, zeigte sich bereits im vergangenen Jahr. An einem Standort, an dem zuvor keine Steinkäuze nachgewiesen worden waren, wurde 2024 ein Vogel per Soft-Release ausgewildert. 2025 konnte dort eine gescheiterte Brut mit einem unberingten adulten Weibchen nachgewiesen werden. Der ausgewilderte Vogel hatte damit als „Ankervogel“ dazu beigetragen, einen Partner anzulocken. 2026 gelang an diesem Standort schließlich eine erfolgreiche Brut mit sieben Jungvögeln.
Gemeinsamer Erfolg vieler Partner
Das Projekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ wäre ohne die vielfältige Unterstützung und das Vertrauen der zahlreichen Kooperationspartnerinnen und -partner, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht möglich. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank…
- allen Eigentümer*innen und Pächter*innen der vielen Privatgrundstücke für das Wohlwollen
und das entgegengebrachte Vertrauen sowie die Möglichkeit, an geeigneter Stelle Nistkästen
zu montieren. - allen Betreuer*innen für die regelmäßige und rechtzeitige Kontrolle und Reinigung der
Nisthilfen. - dem Land Baden-Württemberg für die Finanzierung der Nistkästen durch den
Landschaftserhaltungsverband (LEV) Rhein-Neckar e.V. - der Schülerfirma MIDENA für die zuverlässige Herstellung der Nistkästen.
- dem AK Greifvogelschutz des NABU Heidelberg, dem BUND Ladenburg, dem BUND
Heddesheim, dem BUND Hemsbach-Laudenbach, dem BUND Schriesheim, dem NABU
Weinheim, NABU Mannheim, dem NABU Leimen-Nußloch, dem NABU Heppenheim, den
Vogelfreunden Heddesheim sowie dem Tierpark Walldorf und dem Alpenzoo Innsbruck für
die konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit. - de, Zoo Heidelberg für die tatkräftige Unterstützung des Projektes.
Sie möchten das Projekt unterstützen?
Spenden sind gerne möglich an:
BUND Dossenheim
IBAN: DE18 6725 0020 0009 2178 86