Boten des Glücks - Nisthilfen für Mehlschwalben montiert

25. April 2023 | Vogelschutz, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Lebensräume, Klimawandel

Viele Jahre hat Anne Laure Hofbeck mit ihren Kindern vom Fenster ihrer Wohnung in Dossenheim aus das Brutgeschehen der Mehlschwalben verfolgt und immer wieder bewundert, wie „dieser gerade mal 20 g leichte Vogel bis 20 000 km überwindet, Fressfeinde und Witterungen trotzt, über Sahara und Mittelmeer fliegt, um hier Jahr für Jahr zu brüten“. Beim Spaziergang durch den Ort wie selbstverständlich mit prüfendem Blick zu den bekannten Nistplätzen unter Dach- und Fassadenvorsprüngen geschaut, ob sie noch existieren und wieder besetzt sind. Dabei fiel ihr wie vielen anderen aufmerksamen Beobachtern in den letzten Jahren auf, dass der ein oder andere traditionelle Brutstandort verschwunden ist. Das ist leider kein Einzelbefund für Dossenheim, denn der Bestand der Mehlschwalben ist in Deutschland stark rückläufig. In den letzten 36 Jahren gingen sie um 44% zurück, so der Nationale Vogelschutzbericht, den der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 2019 veröffentlichten. Mehlschwalben werden daher in der Roten Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Deutschlands in der Kategorie 3 „gefährdet“ aufgeführt. In Baden-Württemberg steht sie auf der Vorwarnliste.

Zu dieser Bestandsentwicklung haben mehrere Faktoren beigetragen: Neben natürlichen Einflüssen wie beispielsweise Schlechtwetterperioden ist es jedoch vor allem der Mensch, der durch Modernisierungen, Umnutzungen von Gebäuden, Biotopzerstörungen, Entfernen von Nestern sowie den massiven Rückgang der Insekten, die Abnahme von Beständen verantwortet und es der Mehlschwalbe als Kulturfolgerin massiv erschwert. Insbesondere die – notwendigen – Klimaschutz- oder Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden und Fassaden sind hier hervorzuheben. Gebäude und Fassaden werden gedämmt, verputzt oder mit schmutzabweisender Farbe gestrichen. Bei Neubauten werden oftmals Dachüberstände vermieden, glatte Fassade verwendet und Vergrämungsmaßnahmen eingeplant. Direkt vor besetzten Nestern montierte Baugerüste und Sicherungsnetze während der Brutzeit führen zur nachhaltigen Vergrämung. Vielen ist dabei jedoch nicht bewusst, dass Mehlschwalben zu den besonders geschützten Arten gehören. Der Schutz des Mehlschwalbenbestandes und ihrer Brutstätten ist u.a. in der Europäischen Vogelschutzrichtlinie (VSR 2009/147/EG) und dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 10 Abs. 2 Nr. 10 BNatSchG) geregelt. Nach § 39 und § 44 des BNatSchG ist es zudem verboten, Tiere „mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“ sowie „ohne vernünftigen Grund Lebensstätten wildlebender Tier- und Pflanzenarten zu beeinträchtigen oder zu zerstören". Um dem gesetzlich verankerten Schutz der hiesigen Mehlschwalben gerecht zu werden, haben wir der Gemeinde Dossenheim bereits im vergangenen Jahr alle im Ortsgebiet bekannten Niststandorte mitgeteilt, damit diese im Vorfeld der Genehmigung von Bau- und Sanierungsmaßnahmen mit einbezogen werden können. Damit haben wir bereits in der Vergangenheit unserer Verantwortung beim Schwalbenschutz Rechnung getragen.

Kontinuierlich sinkt die Zahl der aktuellen und potenziellen Mehlschwalbenquartiere bis hin zur akuten Brutplatznot. Eine Abhilfe kann hierbei die Montage künstlicher Nisthilfen als Ergänzungs-, Ersatz- oder Ausgleichsmaßnahmen darstellen. Diese Beobachtung war für Anne-Laure Hofbeck die Motivation, den Dachvorsprung ihres Hauses durch die Anbringung von künstlichen Nisthilfen für Mehlschwalben attraktiv zu machen und damit einen aktiven Beitrag zum lokalen Mehlschwalbenschutz zu leisten. Für sie sind Schwalben „Boten des Glücks“ und ihre Rufe gehören zum Sommer einfach dazu. Die Nisthilfen samt Kotbretter, die 40 cm unterhalb des Nestes zum Auffangen des herabfallenden Kots montiert werden, waren schnell besorgt. Die Anbringung in luftiger Höhe unter dem Hausdach war dann schon etwas schwieriger. Hilfesuchend wand sie sich an den BUND OV Dossenheim. Durch den guten Kontakt zu einem unserer Kooperationspartner Markus Wolf, Inhaber der Garten- und Landschaftsbaufirma Wolf Garten und Landschaftsbau GbR in Ladenburg, konnte auf kurzem Dienstweg ein Hubsteiger samt Fahrer organisiert werden. Im Feierabend hat Jacek Andrejkow, Mitarbeiter, gemeinsam mit Michael Ziara acht Nisthilfen mit Kotbrettern fachgerecht vom Hubsteiger aus montiert. 

Die Aussicht auf eine Annahme ist in diesem Fall durchaus gut. Mehlschwalben sind außerordentlich orts- und nesttreu. Sie bauen lediglich neue Nester, wenn die bestehenden verloren gehen oder für sie nicht mehr nutzbar sind, z.B. durch Besatz von Haussperlingen, Wespen oder tote Jung- und Altvögel. Darüber hinaus sind sie ausgesprochene Koloniebrüter. Entsprechend braucht es für eine Annahme ein bestehendes Brutvorkommen in der Nähe, was gegeben ist. 

Wir freuen uns sehr über diese private Initiative, die wir als BUND Dossenheim gerne begleitet haben und bedanken uns herzlich für die tatkräftige Unterstützung durch die Firma Wolf Garten und Landschaftsbau GbR. Wenn auch Sie etwas für die Mehlschwalben tun und ihr Haus mit Nisthilfen ausstatten möchten, beraten wir sie gerne. 

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