BUND Ortsverband Dossenheim

Tiere und Pflanzen im Steinbruch Leferenz

07. August 2020

Wie vieles andere auch, musste in diesem Jahr auch die Führung zur Tier- und Pflanzenwelt durch den Leferenz ausfallen, die immer um die Jahresmitte stattfindet. Als kleiner Ersatz möchten wir an dieser Stelle auf den aktuellen Stand hinweisen.

Die Schlingnatter ist völlig harmlos, wird aber durch die Rückenzeichnung manchmal mit der Kreuzotter verwechselt  (Manfred Kraft)

Lebensraum für Reptilien und Insekten

Der Steinbruch Leferenz ist Lebensraum für viele Tier- und Pflanzen-Arten, die heute in unserer Kulturlandschaft nur noch selten vorkommen. Grundlage dafür ist die typische Steinbruchgeländeform mit vielen sonnenbeschienenen Steinflächen ohne Schatten durch Bäume und Büsche, auf denen sich Reptilien wohlfühlen. Im Steinbruch kann man mit etwas Glück und Geduld vom Weg aus an Steinen Zaun- und Mauereidechsen, sowie Blindschleichen und die völlig harmlosen Ringel- und Schlingnattern beobachten. Da sich ohne den Steinbruchbetrieb im Laufe der Jahre immer mehr Büsche und Bäume ausbreiten, ist es zum Erhalt des Lebensraumes wichtig, dass die Gemeinde und ehrenamtliche Naturschützer kontinuierlich den holzigen Bewuchs reduzieren. Denn wenn das Steinbruchgelände sich in Wald umwandeln würde, würden die besonderen Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Zusätzlich können Freigänger-Katzen, die Gefallen am „Spielen“ mit Reptilien gefunden haben, oder Störungen an den an mehreren Stellen angelegten Steinhaufen die Bestände empfindlich dezimieren. Lassen Sie daher bitte die Steine und Tothölzer liegen und respektieren Sie die Biotope.

Vor 2 Jahren wurde ein Hang komplett von Brombeeren und holzigem Bewuchs befreit und in eine sonnige Schmetterlingswiese umgewandelt. Auf dieser haben Schülerinnen und Schüler einer Schriesheimer Schule fachmännisch einen Eidechsensteinhaufen angelegt. Auch ein Insektenhotel der Gemeinde hat hier einen guten Platz gefunden.

Lebensraum für Amphibien

Mit dem Ende des Steinbruchbetriebs endeten auch die Erdverdichtungen und Mulden durch die eingesetzten schweren Kettenfahrzeuge. In ihnen sammelten sich die Niederschläge und bildeten kleine Teiche, ideal als Laichgewässer für Amphibien wie die im Steinbruch Leferenz vorkommenden Frösche, Kröten, Molche und Salamander. Wie alle Amphibien können sie sich gut an Land bewegen, benötigen aber für den Nachwuchs im Frühjahr Fisch-freie Gewässer für die Entwicklung. Nach der Metamorphose klettern sie aus dem Wasser und wandern bis in die Gärten Dossenheims, wo sie sich von Schnecken und Kerbtieren ernähren.

Aus Sicht der Amphibien ist es durchaus von Vorteil, wenn im Hochsommer die Teiche austrocknen, sodass Libellenlarven oder Fische, für die der Amphibienlaich ein proteinreicher Leckerbissen ist, darin nicht überleben können. Durch die geringeren Niederschläge der letzten Jahre und durch die nachlassende Verdichtung der Böden verlieren die Laichgewässer jedoch immer früher ihr Wasser. Oft sind mittlerweile die Kaulquappen vom Vertrocknen bedroht, weshalb in den letzten Jahren immer häufiger Feuerwehr und Gemeinde Wasser auffüllen mussten. Für diese Hilfe sind wir sehr dankbar, da sonst ganze Amphibiengenerationen vertrocknet und der Bestand im Steinbruch Leferenz stark gefährdet wäre. Entspannung für Grasfrösche, Salamander und Erdkröten bringen hier die von der Gemeinde im Wald neu angelegten Teiche.

Neben den veränderten Wetterbedingungen haben sich in den letzten Jahren die putzig aussehenden Waschbären zu einer großen, neuen Gefahr für die Amphibien entwickelt. Sie passen die Kröten und Frösche beim Laichen ab, häuten sie und lassen nur ihre Überreste zurück. Schon Dutzende wurden so regelrecht massakriert. Um dem Vorzubeugen haben wir über einen der Teiche Baustahlmatten gelegt. Die Waschbären kommen zwar noch an den Teich, aber nicht mehr an das Wasser.

Besondere Anforderungen an ihren Lebensraum haben die in Dossenheim vorkommenden, sehr seltenen Amphibienarten Wechselkröte und Gelbbauchunke: Sie benötigen kleine, flache Laichgewässer, wie sich eines im Steinbruch am Wegrand befindet. An Spaziergänger, die auf den Wegen bleiben, haben sich die Tiere gewöhnt. Sie lassen sich wunderbar beobachten. Störend wirken allerdings freilaufende Hunde, besonders wenn diese in den Gewässern baden, da sich die Laichablagen im Fell verfangen können. Dies kann fatale Folgen für den Artbestand haben, weshalb wir um Rücksichtnahme bitten.

Lebensraum für Vögel

Es überrascht nicht, dass in einem so vielfältigen Lebensraum auch viele Vögel ein Zuhause gefunden haben. Die Liste der Vogelarten, die im Steinbruch Leferenz beobachtet werden können, ist lang. Zu sehen sind dort Amsel, Sing- und Misteldrossel, Mönchs- und Gartengrasmücke, Blau-, Kohl-, Sumpf-, Schwanz- und Haubenmeise, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Kleiber, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Zaunkönig, Zilpzalp, Haus- und Gartenrotschwanz, Gartenbaumläufer, Buchfink, Kernbeißer, Bunt- und Grünspecht, Ringeltaube, Eichelhäher, Kolkrabe, Rabenkrähe, Elster, Mäusebussard, Rot- und Schwarzmilan, Sperber, Turm- und Wanderfalke sowie im Winter nordische Trupps von Erlenzeisigen und Bergfinken. Seit vielen Jahren lebt der Uhu, unsere größte heimische Eulenart im Steinbruch.

Lebensraum für Pflanzen

Nach Ende des Steinbruchbetriebs wurden Erdaushübe aus verschiedensten Regionen des Kreises im Steinbruch abgelagert. Mit ihnen gelangten auch verschiedenste Bodentypen und mit ihnen Samen in das Gebiet. So entstand eine interessante vielfältige Flora. Leider ist auf diesem Wege auch eine unerwünschte Pflanze eingeschleppt worden: der Japanische Knöterich. Hier ist es uns gelungen, diesen durch wiederholtes selektives mechanisches Entfernen nach zehn Jahren wieder aus dem Steinbuch zu verbannen.

Wir hoffen, Ihnen diese Besonderheiten des Steinbruchs im Jahr 2021 wieder als persönliche Führung vor Ort näher bringen zu können.

 

 

Im Steinbruch Leferenz lässt sich eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren beobachten. 

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