BUND OV Dossenheim

Kritik am Flächenverbrauch

17. September 2021

Am 19. Juli 2021 erschien unter dem Titel „BUND kritisiert ungezügelten Flächenverbrauch“ in der Rhein-Neckar-Zeitung ein Artikel, in dem als offener Brief der BUND Landesverbände von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg der weiterhin bestehende enorme Flächenverbrauch kritisiert wird. Diesen offenen Brief finden Sie auf unserer Homepage unter www.dossenheim.bund.net/pressespiegel/2021.

Immer mehr Grünflächen fallen dem Flächenfraß zum Opfer  (pixabay / pixabay)

Wie sieht es in Dossenheim aus?

An das europäische Vogelschutzgebiet „Bergstraße Dossenheim- Schriesheim" angrenzend erstreckt sich der Augustenbühl, eine ökologisch bedeutsame Freifläche, bestehend aus vielen mosaikartigen Gärten, die aus der Ortsbebauung ausgespart ist, allerdings im Flächennutzungsplan als "Entwicklungsfläche Wohnen" aufgeführt wird, sodass er zukünftig bebaut werden könnte. Gemeinsam mit dem Augustenbühl e.V. (www.augustenbuehl.de) setzt sich der BUND für einen vollständigen Erhalt der Fläche ein.

Die Vorsitzende des Vereins Augustenbühl e.V. Dagmar Schülke ordnet die momentane Situation so ein:

„Im laufenden Verfahren der Aktualisierung des Flächennutzungsplans geht es konkret darum, dass der gesamte Augustenbühl ohne Friedhofserweiterungsfläche als Wohnraum-Reserve ausgewiesen ist. Die zunächst geplante Friedhofserweiterungsfläche zwischen Friedhof und Korngasse …wird als solche nicht mehr benötigt. Sie ist im seit 2006 gültigen Flächennutzungsplan nicht enthalten. Diese Fläche wird als Alternativfläche geprüft, gehört aber unserer Einschätzung nach zu der Gesamtfläche, die erhalten werden sollte.

Der Nachbarschaftsverband schreibt in einer zusammenfassenden Erklärung:

‚In Dossenheim weist die geprüfte Wohnbaufläche in Hinblick auf die umweltbezogenen Planungsbellange in besonderem Maße Konflikte auf. Der Gemarkungsbereich der Gemeinde Dossenheim wurde daraufhin aus dem Verfahren entkoppelt, um das örtliche Siedlungsentwicklungskonzept vertiefend zu überprüfen und den Flächennutzungsplan bei Bedarf in einem separaten Änderungsverfahren fortzuschreiben.‘

Die vom Nachbarschaftsverband auf Bitten der Gemeinde beauftragen Gutachten werden demnächst erwartet. Spätestens dann steht das Thema Flächennutzungsplan wieder auf der Agenda.

Wenn sie, vielleicht schon im Herbst, veröffentlicht werden, wird das Thema Bebauung erneut auf der Tagesordnung stehen.‘‘

Warum es inhaltlich geht

Im Zusammenhang mit der 2. Offenlage der Fortschreibung des Flächennutzungsplans in
Dossenheim hatten die Bürgerinnen und Bürger von Dossenheim bis 8.11.2019 die
Möglichkeit, sich zum Augustenbühl zu äußern. Viele von ihnen haben dem Augustenbühl
e.V. und dem BUND anschließend eine Kopie ihrer Stellungnahme geschickt. Es war für uns
beeindruckend zu lesen, wie vielfältig die genannten Gründe für den Erhalt des
Augustenbühls waren. Stellvertretend möchten wir einen Auszug aus einer Stellungnahme mit Einverständnis der Verfasserin allen zugänglich machen:

Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen meiner Stellungnahme fordere ich alle Dossenheimer Gemeinderäte auf, den Augustenbühl baldmöglichst aus dem Flächennutzungsplan herauszunehmen. Im Folgenden lege ich eine ausführliche Begründung dar.

Aspekte des Natur- und Klimaschutzes

  1. Der fortschreitenden Bodenversiegelung muss Einhalt geboten werden
    Eine Herausnahme des Augustenbühls aus dem Flächennutzungsplan ist die einzige Möglichkeit, eine kurz- oder langfristig drohende Flächenversiegelung in diesem Gebiet abzuwenden.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Seit Jahrzehnten wird in Deutschland immer mehr Boden versiegelt. In Baden-Württemberg stieg der Flächenverbrauch im Jahr 2017 sogar erstmals seit 2013 wieder deutlich an: 7,9 Hektar pro Tag.

Bodenversiegelung ist einer der Faktoren, die zum Klimawandel (siehe Punkt 2) und zum
Verlust der Artenvielfalt (siehe Punkt 3) beitragen. Einmal versiegelt, ist Boden im Hinblick auf seine wichtigen Funktionen für Natur und Klima zerstört:

  1. Versiegelte Böden können kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Hinzu kommt, dass sie keinen Lebensraum für Pflanzen mehr bieten, welche somit als Wasser Verdunster und als Schattenspender ausfallen.
  2. Auch der Lebensraum für Tiere schrumpft durch die fortschreitende
    Bodenversiegelung immer weiter.
  3. Bodenzerstörung infolge einer Versiegelung ist nur schwer rückgängig zu machen,
    denn die Versiegelung beeinträchtigt die natürliche Bodenfruchtbarkeit massiv: Wenn der Boden dauerhaft von Luft und Wasser abgeschlossen ist, geht die Bodenfauna zugrunde. Diese ist aber wesentlich für den Erhalt und die Neubildung von fruchtbarem Boden. Bodenverdichtung infolge der Errichtung von Gebäuden richtet weitere, kaum mehr reversible Schäden an. Daher bleibt auch im Falle einer Entsiegelung (sofern eine solche überhaupt stattfindet, denn sie ist teuer) die natürliche Struktur des Bodens gestört: Eine neue Bodenfauna bildet sich nur schwer und nur über längere Zeiträume.
    Infolgedessen ist auch die natürliche Bodenfruchtbarkeit nur verzögert und oft nicht in der vorherigen Qualität wieder herstellbar. Gesunder Boden ist ein endliches Gut. Seine fortschreitende Zerstörung hat schwerwiegende
    Folgen für den Naturhaushalt. Das darf so nicht weitergehen.

  1. Klimaschutz
    Es ist nicht abzustreiten, dass der globale Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung darstellt. Nicht nur die Bundespolitik ist hier in der Pflicht, sondern jede einzelne Gemeinde. Den Augustenbühl von Bebauung frei zu halten und als Naturraum zu pflegen, ist ein notwendiger Beitrag unserer Gemeinde zum Schutz des globalen Klimas.

Darüber hinaus hat das Gebiet eine wichtige Bedeutung für das lokale Mikroklima. Der Augustenbühl befindet sich größtenteils innerhalb der Freiraumzäsur zwischen Dossenheim und Schriesheim und ist wesentlich für den Luftaustausch: Durch das Gebiet gelangt kühle Luft aus dem Odenwald bis nach Dossenheim. Im Stadtklimagutachten für die Stadt Heidelberg von 2015 wird die Bedeutung der hangabfließenden Kaltluft aus dem Odenwald bestätigt. Auch aus diesem Grund muss der Augustenbühl als Naturfläche gesichert und von einer Bebauung freigehalten werden.

Dossenheim, November 2019

Hier finden Sie den vollständigen Text: https://dossenheim.bund.net/fileadmin/dossenheim/Augustenbuehl/Stellungnahme_zur_Gesamtfortschreibung_des_Flaechennutzungsplans.pdf

Flächenverbrauch und die Bundestagswahl

Am 26. September 2021 wählen die BürgerInnen in Deutschland den 20. Bundestag. Der BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald und das Bundesbündnis Bodenschutz haben acht Fragen zum Flächenschutz an Kandidatinnen und Kandidaten der Region gestellt.

Trotz der inzwischen verbreiteten Erkenntnis, dass Fläche endlich ist und lebendige, unversiegelte Böden überlebenswichtige Ökosystemfunktionen bereitstellen, bewegen wir uns aktuell nicht auf einem Pfad, mit dem wir die Flächenneuinanspruchnahme so weit reduzieren, dass das Ziel der „Netto-Null“ in greifbare Nähe rückt. Das Bundesbündnis Bodenschutz (www.bundesbuendnis-bodenschutz.de) und der BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald greifen dieses wichtige Thema auf und befragen die Bundestagswahlkandidat*innen der Region, wie sie sich konkret für den Erhalt unserer Feldflur, wertvoller Böden und im Kampf gegen die ungebremste Versiegelung einsetzen möchten.

Unsere Fragen

1) Setzen Sie sich für eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung des Flächenverbrauchs in Deutschland und Europa ein? Ja/nein

2) Setzen Sie sich für eine Halbierung des Flächenverbrauchs in den nächsten 5 Jahren als verbindliches Zwischenziel auf dem Weg zum Netto-Null Verbrauch in Deutschland ein? Ja/nein

3) Um den Wettbewerb um neue Gewerbeflächen zu entschärfen, könnte die Verteilung von Gewerbesteuer-Einnahmen reformiert werden. Kommunen, die ohne Verbrauch neuer Gewerbeflächen auskommen, sollten besonders belohnt werden. Unterstützen Sie diesen Ansatz? Ja/nein

4) Ein ökologischer Ausgleich für Flächenverluste erfolgt derzeit gar nicht bzw. in fragwürdiger Weise. Setzen Sie sich dafür ein, dass für Verluste am Schutzgut Boden ein vollständiger Ausgleich durch Entsiegelung anderer Flächen verlangt wird? Ja/nein

5) Wenn Sie abwägen zwischen Ausweisung von Feldflur für neue Gewerbeansiedelungen oder Erhalt der lokalen landwirtschaftlichen Flächen, was hat für Sie Priorität?

6) Trotz vorhandenem Innenraumpotential und verbreitetem Leerstand werden täglich neue Baugebiete ausgewiesen. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Ausschöpfung von Leerstandsreserven Voraussetzung für die Ausweisung neuer Baugebiete wird? Ja/nein

7) Wenn wir in ungebremstem Tempo weiter Flächen verbrauchen, gibt es in 75 Jahren keine landwirtschaftlichen Flächen mehr. Was löst diese Aussage konkret bei Ihnen aus?

8) Setzen Sie sich für die Streichung des § 13b BauGB (Bauland-Offensive) ein? Ja/nein

Hier finden Sie Detaillierte Antworten der KandidatInnen

https://www.bund-rhein-neckar-odenwald.de/themen-und-projekte/bundestagswahl-2021/

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