BUND Ortsverband Dossenheim

Stummer Frühling - Der Artenrückgang der Vögel

Bereits 1962 warnte die amerikanische Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson mit ihrem Buch "Der Stumme Frühling" vor dem Einsatz von Pestiziden und deren Folgen für die Umwelt, unter anderem auf die Vögel. Mittlerweile ist er in vielen Teilen leider Wirklichkeit geworden. Wo früher über den Feldern ein lautes Vogelkonzert zu hören war, ist es heute beängstigend ruhig. 

In Europa leben heute etwa 421 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten, ein Rückgang von 20 %. In Deutschland haben wir sogar 80% in den letzten 200 Jahren verloren. Davon besonders betroffen sind die kleineren Vogelarten der sogenannten „Normallandschaft“, speziell der landwirtschaftlich genutzten Räume. So entfallen 90 % des Rückgangs auf 36 weithin bekannte Vögel wie Haussperlinge, Stare, Feldlerche und Rebhühner. Gleichzeitig gehen Bestandszahlen stark zurück und ganze Vorkommen erlöschen – leise und heimlich, kaum bemerkt von der Mehrheit der Bevölkerung. 

Was wir als BUND Ortsverband Dossenheim tun?

Viele Arbeiten, die wir in der Vergangenheit im Vogelschutzgebiet "Bergstraße Dossenheim - Schriesheim" übernommen haben, dienten dem Vogelschutz und hatten das Ziel den Lebensraum in seinem Zustand zu bewahren oder zu verbessern. Aus diesem Grund pflanzten wir auf der BUND-Wiese bereits 2004 Streuobstbäume, setzten uns für den Erhalt der alten Obstbäume oder die Verhinderung der Flurneuordnung Mergel ein. Auch gegenwärtige Projekte wie die Maßnahmen zur Pflege und dem Erhalt der Trockenmauern und zur gesetzlichen Verankerung eines wirksamen Insektenschutzes dienen dem Schutz der Avifauna.  

Nisthilfen

Unzählige Nisthilfen haben wir in den letzten Jahren im Vogelschutzgebiet und am Humpelgraben installiert  (Patricia Reister)

Wer im Vogelschutzgebiet „Bergstraße Dossenheim- Schriesheim" oder am Humpelgraben unterwegs ist, entdeckt die Nistkästen, die wir in den vergangenen Jahren, teils in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Dossenheim und dem Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V. (LEV) installiert haben. Im Frühjahr lassen sich die regen Fütterungsflüge beobachten. Sie belegen, die überaus gute Annahme der Nistkästen. Im Jahr 2020 haben wir die kath. St. Pankratiuskirche sowie die ev. Kirche gemeisam mit dem Arbeitskreis Greifvogelschutz des NABU Heidelberg mit Nistkästen ausgestattet.

Steinkauz - Wiederansiedlungsprojekt in Kooperation

Praktische Hilfen sollen dem kleinen koboldhaften Steinkauz zur Ausbreitung helfen  (Wolfgang Fischer)

Kaum eine Eule ist so ein Sympathieträger wie der kleine koboldhafte Steinkauz. Doch so faszinierend er ist, so schwer gestaltet sich manchmal sein Schutz. Abhängig von offenen, grünlandreichen Landschaften mit ganzjährig kurzer Vegetation, einem großen Höhlenangebot, Sitzwarten und beweideten Grundstücken hat er es zunehmend schwerer. Denn die Landschaft, die er benötigt, wird immer seltener. In Deutschland steht er mit einem Bestand von etwa 6.000 Paaren auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. Auch im Rhein-Neckar-Kreis – früher einst ein Hotspot – ist der Bestand rapide gesunken. Lediglich zwei Paare sind noch bekannt, von denen nur eines in diesem Jahr erfolgreich gebrütet hat. Es ist also höchste Zeit für eine Trendwende. 

Um die Bestandsentwicklung dieser Eulenart umzukehren, braucht es neben dem Einsatz für den Erhalt einer strukturreichen Landschaft eine enge Zusammenarbeit möglichst vieler Naturschutzverbände in möglichst vielen Gemeinden, die gemeinsam ausgehend von den beiden noch bekannten Standorten geeignete Lebensräume mit Niströhren ausstatten. Von Seiten des BUND Dossenheim haben wir in Kooperation mit dem Arbeitskreis Greifvogelschutz des NABU Heidelberg im Sommer 2020 geeignete Habitate auf Dossenheimer Gemarkung gefunden und die Zahl der angebotenen Nisthilfen auf 15 erhöht. Weitere werden folgen.

Den ausführlichen Bericht finden Sie hier.

Vogelstimmenführung

Vogelstimmführungen sind gute Gelegenheiten die Gesänge der heimischen Vögel kennen zu lernen  (Dermot O'Connor)

„Man liebt nur was man kennt, und man schützt nur was man liebt.“ (Konrad Lorenz). Daher bieten wir regelmäßig Stimmführungen an, bei denen der Gesang der Vögel vermittelt wird. Wer nicht bis zur nächsten Exkursion warten möchte, findet im Internet viele Angebote, ob als Smartphone App, YouTube-Video oder auf der Homepage von Deutsche-Vogelstimmen oder Xeno-Canto.

Was jeder Einzelne tun kann?

Ein männlicher Buntspecht an der Futterstelle im Garten  (Michael Ziara)

Es gibt viele Möglichkeiten die Vögel zu unterstützen: 

Wer ein Haus hat, kann Nisthilfen anbringen oder Rankpflanzen an Wänden hochwachsen lassen.

Wer einen Garten hat, kann geeignete heimische Nahrungspflanzen für Insekten und deren Raupen wachsen lassen oder eine Wiese anlegen, kann Verblühtes für samenfressende Vögel stehen lassen, unaufgeräumte Ecken dulden, einen Baum oder eine Hecke mit heimischen Gehölzen pflanzen, Totholz, Steinhaufen oder eine Matsch-Ecke als wichtige Kleinstrukturen anbieten oder eine Futterstelle einrichten. Wichtig: Halten Sie sich an das Bundesnaturschutzgesetz und unterlassen Sie in der Brutzeit vom 1. März bis 30. September jegliche Rodungen von Hecken und Bäumen. 

Wer einen Balkon hat, kann Vieles vom Garten auf die kleinere Fläche übertragen, also heimische Pflanzen in Töpfen, Kästen und Ampeln pflanzen, berankte Balkongitter oder sogar einen kleinen Balkonteich in einer Wanne anbieten.

Wer spazieren geht, kann bewusst darauf achten, die Wege nicht zu verlassen und den Hund an die Leine zu nehmen. Gerade die bodenbrütenden Arten leiden empfindlich unter den Störungen. 

Auch beim Einkauf sich bewusst für Regionalität und Nachhaltigkeit zu entscheiden, leistet einen wichtigen Schutzbeitrag. 

Und nicht zu letzt - begeistern Sie andere! Wer einmal Freude am Vögelbeobachten gefunden hat und ihren Gesang kennt, nimmt die Welt anders wahr.  

Bienen und Bauern retten!

Für eine Agrarwende und für Artenvielfalt! Die EU-Bürgerinitiative "Bienen und Bauern retten!" braucht unsere Unterstützung. Jede Unterschrift zählt! 

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