BUND OV Dossenheim

Amphibienschutz im Steinbruch Leferenz

Amphibienschutz im Steinbruch Leferenz

Schwerpunkt unserer Arbeit im Steinbruch Leferenz ist der Amphibienschutz mit den beiden spätlaichenden Zielarten Gelbbauchunke und Wechselkröte. Beide Arten sind der Kategorie 2 stark gefährdet der Roten Liste Baden-Württembergs zugeordnet. 

Daneben kommen Berg- udn Fadenmolch, Erdkröte, Feuersalamander und Grasfrosch im Steinbruch Leferenz vor. 

Pflegekonzept: Doppelte Strategie gegen die zunehmende Trockenheit

Eine neue Edelstahlwanne wird eingegraben  (Patricia Reister)

Auf der Liste der Umweltprobleme, die die Menschheit im 21. Jahrhundert lösen muss, steht der Wassermangel – neben dem Klimawandel und dem Artenrückgang – an vorderer Stelle. Viele Kleingewässer trocknen während der Laichzeit aus, sodass den Kaulquappen, insbesondere der spätlaichenden Amphibienarten Gelbbauchunke und Wechselkröte, die Zeit für die Metamorphose fehlt. Mit nahezu 100 % Ausfall der Kleingewässer zur Laichzeit in den besonders trockenen Sommern 2019 und 2020 wurde das Problem immer drängender. Es war höchste Zeit für neue Wege. Denn die alten Methoden – die Gewässer zu vertiefen und auszubaggern – sind aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren, hoher Kosten und massiver Eingriffe in die Umgebung, häufig ineffektiv oder kommen schlichtweg zu spät. Um das Problem zu lösen, verfolgen wir eine doppelte Strategie:

Edelstahlwannen imitieren Kleingewässer

Durch die ständigen Befahrungen und Umwälzungen des Bodens entwickelten sich aktive Steinbrüche zu einem wertvollen Lebensraum. Beständig entstanden frische Pfützen und Fahrrillen, die sich mit Wasser füllten und erst nach einigen Wochen austrockneten. In diesen temporären Kleingewässern fanden Amphibien ideale Entwicklungsbedingugnen für die Kaulquappen vor, da sich in ihnen weder räubernde Fische noch Insektenlarven ansiedeln konnten. 

Gerade diese Kleingewässer werden jedoch immer seltener und trocknen aufgrund der längeren Trockenphasen schneller aus, als den Amphibien die Metamorphose von der Kaulquappe zur Unke/ Kröte gelingt. Im Jahr 2021 installierte der BUND Dossenheim Ende Mai bzw. Anfang Juni im abgeschlossenen Biotopbereich drei Edelstahlwannen, die wasserdichte Kleinbiotope imitieren. Das System greift ein in der Schweiz sehr erfolgreiches Projekt zum Artenschutz auf. Durch den Schraubverschluss in der Mitte, ähnlich einer Badewanne mit Stöpsel, kann das Wasser abgelassen und die Gefahr vor Prädation der Kaulquappen durch Libellen- oder Gelbbrandkäferlarven beseitigt werden. Zusätzlich führt das Material dazu, dass sich das eingefüllte Wasser lange hält. 

Autarke Wasserversorgung durch Wassersammeln

Ziel des BUND Dossenheim ist es, nach und nach eine unabhängige Wasserversorgung aufzubauen, sodass die Biotope bei Bedarf jederzeit ohne größeren Aufwand und Vorplanung von unseren ehrenamtlich aktiven Mitgliedern der „Arbeitsgruppe Steinbruch Leferenz“ aufgefüllt werden können und nicht mehr externe Hilfen von Seiten der Feuerwehr, der Gemeinde Dossenheim oder den Jagdpächtern benötigt werden. 

Auf der Ebene der Panoramaplattform konnte 2021 dank des Feldbogenvereins „Dossenheimer Steinbrecher e.V.“ eine optimale Lösung eingerichtet werden. Die knapp 100m² große Dachfläche des Schießstandes bietet bei einer durchschnittlichen Regenmenge in Dossenheim von 35-57 mm / Monat die Möglichkeit im Jahr knapp 50.000 l Regenwasser zu sammeln – deutlich mehr als für den Schutz der beiden Amphibienbiotope auf der Ebene der Panoramaplattform benötigt wird. Im Februar 2021 haben wir an den bestehenden Container des Feldbogenvereins vier 1000 l IBC-Container angeschlossen, die seither zum Auffüllen der Biotope zur Verfügung stehen. Für dieses Jahr ist eine Erweiterung um drei IBC-Container geplant.

Gemeinsame Arbeitseinsätze der Arbeitsgruppe Steinbruch Leferenz

Die Arbeitseinsätze der Arbeitsgruppe Steinbruch Leferenz finden nach Absprache samstagvormittags statt. Dabei werden - je nachdem, was gerade ansteht - die Biotope gepflegt, gewässer entschlammt, Rückschnitte vorgenommen sowie größere Maßnahmen wie Erweiterungen der bestehenden Wasserversorgung vorgenommen oder neue Edelstahlwannen eingegraben.

Steinbruch Leferenz als Lebensraum für Reptilien

Schlingnatter  (Patricia Reister)

Neben den Amphibien ist der Steinbruch Leferenz auch Lebensraum mehrerer Reptilienarten, die von dem geeigneten Mikroklima in Bodennähe, Nahrung, dem Angebot von Sonnen- und Versteck- sowie Eiablageplätze und Winterquartiere profitieren. Dokumentiert sind Mauer- und Zauneidechse, Ringelnatter, Blindschleiche und Schlingnatter.

... und auch der Uhu findet im Steinbruch Leferenz einen idealen Biotop

Uhu im Steinbruch  (Wolfgang Fischer)

Seit Jahren brütet ein Paare regelmäßig im Steinbruch Leferenz. Wenngleich der Lebensraum des Uhus unterschiedlich aussehen kann und von Kirchtürmen über Friedhöfe bis zu Industrie- und Brückenbauten reicht, ist seine Wahl doch eher typisch. Denn häufig fällt die Wahl auf felsig strukturierte Landschaften mit offenen bis halboffenen Jagdflächen. Der Uhu ist ein Nahrungsopportunist, der bei seiner Beute stark variiert und prädiert u.a. größere Säugetiere wie Hasen, Ratten, Kaninchen oder Füchse sowie Rabenvögel, Tauben und auch andere Eulen.

 

Geschichte des Steinbruchs Leferenz

Zwischen 1883 und 1985 wurde im Steinbruch Leferenz für den Straßen- und Eisenbahnbau Quarzporphyr abgebaut. Seinen Namen erhielt der Steinbruch am Hohen Nistler von den Gebrüdern Leferenz, die das Gelände 1882 kauften und für den Abbau erschlossen. Nach der Schließung plante der Kreis den Steinbruch als Bauschuttdeponie zu nutzen. Um dies zu verhindern, gründete sich der BUND Ortsverband Dossenheim.

2009 wurde der Steinbruch als Geo-Naturpark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dafür hatte der BUND-Ortsverband auf Bitte der Gemeinde Dossenheim in Kooperation mit dem NABU Heidelberg ein Biotop-Konzept erarbeitet. 

Impressionen aus dem Steinbruch Leferenz

Es ist Zeit für unsere Amphibien zu handeln!

juvenile Gelbbauchunken nach der Metamorphose  (Patricia Reister)

Auf einer Exkursion berichtet Uwe Somplatzki, Mitvorsitzender vom BUND Hemsbach-Laudenbach, über die Situation unserer Amphibien in der Region, den allgemeinen Artenrückgang, aktuelle Bedrohungen und über aktive Naturschutzarbeit zum Erhalt unserer stark bedrohten Amphibienpopulationen.

Begleiten wird ihn Jochen Schmidt vom BUND Dossenheim, der Wissenswertes über die Vögel im Steinbruch Leferenz berichten und Freude an der Vogelbeobachtung wecken wird. 

Anmeldung per Email unter bund.dossenheim(at)bund.net

Erfolgreiche Saison 2021 in den Amphibienwannen

Amphibien- und Reptilienschutz im Steinbruch Leferenz